Grafrather tragen Stühle für Kunsthaus-Café zusammen

Von Andreas Daschner
Münchner Merkur, Montag 25.08.2014

Grafrath – Kunst hat in Marthashofen traditionell einen besonderen Platz. Der mittlerweile verstorbene Künstler Gian Algarotti hatte sein Atelier unter dem Dach des Altenheims. Das fast fertige Kunst-Café auf dem Marthashofener Areal ist quasi sein Vermächtnis. Der Name ist Programm: „bella mARTha“.

Schön (italienisch: bella) soll es sein, das neue Café in Marthashofen – und die Kunst (englisch: art) soll im Mittelpunkt stehen. „Es ist ein Experiment“, sagt Rafael Suslow, kaufmännischer Geschäftsführer des Altenwerks und Geschäftsführer der Marthashofen Grundstücksgesellschaft.

Das Kunsthaus-Café bietet Platz zum Entspannen und Raum für Künstler. Es soll dazu beitragen, das Altenwerk nach außen zu öffnen. Auch nach Algarottis Tod haben Suslows Vorgänger Günther Kaul und dessen Mutter Lydia Suslow die Idee am Leben gehalten. Und nun steht das Bella Martha kurz vor seiner Fertigstellung. „Das Café ist für jedermann geöffnet, nicht nur für Bewohner und Besucher des Altenheims“, sagt Rafael Suslow.

Marthashofen habe ein schönes Gelände, um spazieren zu gehen. „Aber es ist wie bei einer Radtour: Irgendwann will man sich auch einmal hinsetzen.“ Diese neue Möglichkeit soll das neue Café mit Blick ins Grüne bieten. Gleichzeitig soll das Bella Martha aber auch ein Forum für Kunstschaffende und eine Galerie für Kunstfreunde sein. Drei Mietateliers und ein freies Atelier für Ausstellungen sind dort untergebracht. „Nur eines ist noch frei“, sagt Suslow.

Zum Interieur haben übrigens viele Grafrather beigetragen. Alte Stühle aus verschiedenen Kellern und Dachböden zieren das Bella Martha. Das Altenwerk hatte die Bürger dazu aufgerufen, diese abzugeben. Gekommen sind viele teils bunte und bemalte Sitzmöglichkeiten. „So können die Leute gleich auf einem Stück Kunst sitzen“, sagt Suslow.

Auch Theke und Tische haben eine eigene Geschichte: Sie wurden aus dem Holz einer alten Marthashofener Ulme gebaut, die schon vor einiger Zeit gefällt werden musste. Das Holz lagert laut Suslow lange ungenutzt im  Altenwerk. „Aber jetzt haben wir endlich einen Zweck dafür gefunden.“

Neben Kunstfreunden profitieren die Bewohner des Altenheims. „Auch Kunsttherapeuten könne hier mit alten Leuten arbeiten“, sagt Suslow. Das Bella Martha soll dazu beitragen, buchstäblich auch neue Räume in der Gemeinde zu öffnen. „Wir haben festgestellt, dass es in Grafrath tatsächlich Menschen gibt, die Marthashofen noch nicht kennen“, sagt Suslow. Das Kunsthaus-Café soll diese anlocken. Wir wollen kein zweites ‚Haus 10‘ werden“, meint der Geschäftsführer mit Blick auf das Kunsthaus in Fürstenfeld.