Kuchen, Kunst und moderne Architektur

Das Café Bella Martha – der neue Geheimtipp im Landkreis 

Von Petra Neumaier
Gustl 2/2016

„Mit dem Café haben wir hier das große Los gezogen“, sagt die Dame beim Gehen. Die beiden Betreiberinnen Martina Türschmann und Ingrid Feitl freuen sich sehr über das Lob. Die schöne ruhige Lage am Waldrand oberhalb Grafraths - jedoch direkt gelegen am Ammerseer Radlweg, die außergewöhnliche Einrichtung, aber vor allem die sensationellen Kuchen und Torten haben das Bella Martha Café längst zu einem beliebten Ausflugsziel gemacht – auch zur kalten Jahreszeit! 

Gemeinsam leiten die beiden seit Sommer 2015 das Café. „Wir haben ein tolles Team im Rücken und können endlich auch Donnerstag- und Freitagnachmittag öffnen. Frühstück gibt es jetzt jeden Vormittag bis 11 Uhr“, erzählt Martina Türschmann. Ob Kuchen (auch vegan) oder die kleinen Mittagsgerichte, alles wird aus regionalen Produkten hausgemacht. Eier und Milchprodukte haben Bioqualität. „Wir backen auch auf Bestellung“, betont Ingrid Feitl. 

Dass hier neben Kulinarischem auch Kunst und Kultur zu Hause sind, beweist das Programm. Im angegliederten Kunsthaus finden Kurse statt, Einmal im Monat plaudern renommierte Künstler aus der Region über ihre Arbeiten und auf der „offenen Bühne“ wird gemeinsam gejammt. Neu ist die Konzertreihe „RoofTop“ im Saal unter dem Dach, wo Schüler des Münchner Konservatoriums die Gelegenheit bekommen, vor Publikum zu musizieren. 

GUSTL-Tipp: Auch privat kann im Bella Martha gefeiert werden. 

Offenheit als Prinzip

Am Freitag eröffnet die Marthashofen-Stiftung einen Kunst-Neubau mit vier Ateliers und einem Café. Das Haus steht für die Öffnung der anthroposophischen Einrichtung für Gäste und Ausflügler. Künftig gibt es dort ein festes Programm.

Von Viktoria Grossmann
Süddeutsche Zeitung, Donnerstag 25.09.2014

Grafrath – Von der Kunst ist noch nicht so viel zu sehen. Die neuen Ateliers in Marthashofen sind noch recht kahl, bis auf ein paar Staffeleien, an den Wänden gelehnte Bilder, Farbtöpfe. Das macht aber nichts. Das Aufsehen erregende ist der Neubau für die Kunst: insgesamt vier Ateliers sind es, drei sind fest vermietet. An diesem Donnerstag werden sie erstmals für Besucher öffnen, am Freitag ist die feierliche Einweihung.

Vor einem Atelier steht ein Holzstuhl mit Federn beklebt, die vom Wind zerzaust werden. Es ist ein Werk des erst vor wenigen Monaten verstorbenen Künstlers Gian Algarotti. Seine Lebensgefährtin, die Malerin Christina Kuehn wird in Marthashofen beginnen, was Algarotti mit angestoßen hat – durch seine Arbeit als Künstler und als Clown, als der er in den Pflegeeinrichtungen in Marthashofen gearbeitet hat.

Wer baut denn schon freiwillig Ateliers? Und zu welchem Nutzen? Zu keinem wirtschaftlichen jedenfalls, sondern zu einem sozialen. Hinter dem geschwungenen Kunst-Neubau einschließlich Café stehen die Marthashofen-Stiftung und die Gesellschaft für Sozialgestaltung. Zum Komplex gehören seit Langem Altenheim, Behinderteneinrichtung und Waldorf-Kindergarten – die gesamte Anlage versteht sich als anthroposophische Einrichtung im Sinne Rudolf Steiners. Kunsthaus und Café sind da schon eine bedeutsamer Neuerung, denn beides soll ja nicht nur für die Bewohner Marthashofen da sein – im Gegenteil, mit dem Neubau öffnet sich die Einrichtung für Besucher von Nah und Fern, für die Grafrather genauso wie Ausflügler vom nahen Amperradweg.

Christina Kuehn wird das Atelier, vor dem der gefiederte Stuhl steht, gemeinsam mit ihrer Kollegin Freya Junker aus München beziehen. Die beiden Malerinnen werden nicht nur öffentlich arbeiten, sie werden auch Kurse anbieten und mit den Kindern, den alten und behinderten Menschen, die in Marthashofen leben, gemeinsam gestalten. Ihre erste Idee war bereits ein gemeinsamer Erfolg: Überall im benachbarten Café stehen bunte Stühle herum, Einzelstücke. Besucher haben sie mitgebracht. An einem Tag der offenen Tür haben Kinder die Stühle bemalt. Es ist eine von vielen kleinen Ideen stellvertretend für die eine große: Atelierhaus und Café sind ein Gemeinschaftswerk und offen für jeden. Einige der Sitzmöbel sind aus Holz hergestellt, das in Marthashofen geschlagen wurde – somit ist das Haus nahezu organisch aus dem Bestehenden heraus gewachsen und mit ihm verbunden.

Die Architekten Felix Bembé und Sebastian Dellinger aus Greifenberg im Nachbarlandkreis Landsberg haben einen geschwungenen Bau aus Waschbeton und dunklem Holz geschaffen, der zugleich Klarheit und Gemütlichkeit ausstrahlt. Zusätzlich zum unteren Gastraum mit Terrasse gibt es einen oberen Salon mit großem Oberlicht, den man sich genauso gut als Kinderspielwiese wie als lässige Lounge vorstellen kann. Durch eine verglaste Wand schaut man den Künstlerinnen Junker und Kuehn von oben beim Arbeiten zu. Auch Junker kennt Marthashofen schon länger und auch von der praktischen Seite: als Studentin habe sie hier als Pflegeaushilfe gejobbt. Stephanie von Hoyos, Vorsitzende der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck und Edith Lehner, die zwei der anderen Ateliers gemietet haben, waren wiederum schon lange mit Algarotti bekannt, mit dem sie früher auch gemeinsam ausstellten. Es ist ein bisschen, als würde hier eine kleine Familie zusammenfinden.

Die Pächterinnen des Cafés, dem sie den Namen „Bella Martha“ gegeben haben, sind dem Ort ebenfalls schon lange verbunden. Barbara Baumann und Ingrid Feitl kennen sich, seitdem ihre Kinder gemeinsam den Waldorfkindergarten besuchten. Das Café ist für die beiden Frauen ein Neustart: Eigentlich sind auch sie im Sozialwesen zu Hause, arbeiten als Krankenschwestern und haben betreute Wohngruppen aufgebaut. Mit Menschen können sie also umgehen. Ihre Räume wollen sie zum Beispiel auch für Lesungen nutzen.

Im Atelier wird es ein festes Programm geben, das Junker und Kuehn gestalten. So ist noch für dieses Jahr ein Architektengespräch mit Bembé und Dellinger geplant. Am 16. November soll die Waldorf-Lehrerin Ute Craemer zu Gast sein und von ihren Erfahrungen in der Entwicklungsarbeit berichten – die 76-Jährige lebt seit Jahrzehnten in Brasilien und setzt sich besonders für Favela Monte Azul in Sao Paulo ein. Die Anthroposophie wird auch im Kunstbau ihren Platz haben. Vor allem aber hat Grafrath nun einen Platz für Künstler.

Grafrather tragen Stühle für Kunsthaus-Café zusammen

Von Andreas Daschner
Münchner Merkur, Montag 25.08.2014

Grafrath – Kunst hat in Marthashofen traditionell einen besonderen Platz. Der mittlerweile verstorbene Künstler Gian Algarotti hatte sein Atelier unter dem Dach des Altenheims. Das fast fertige Kunst-Café auf dem Marthashofener Areal ist quasi sein Vermächtnis. Der Name ist Programm: „bella mARTha“.

Schön (italienisch: bella) soll es sein, das neue Café in Marthashofen – und die Kunst (englisch: art) soll im Mittelpunkt stehen. „Es ist ein Experiment“, sagt Rafael Suslow, kaufmännischer Geschäftsführer des Altenwerks und Geschäftsführer der Marthashofen Grundstücksgesellschaft.

Das Kunsthaus-Café bietet Platz zum Entspannen und Raum für Künstler. Es soll dazu beitragen, das Altenwerk nach außen zu öffnen. Auch nach Algarottis Tod haben Suslows Vorgänger Günther Kaul und dessen Mutter Lydia Suslow die Idee am Leben gehalten. Und nun steht das Bella Martha kurz vor seiner Fertigstellung. „Das Café ist für jedermann geöffnet, nicht nur für Bewohner und Besucher des Altenheims“, sagt Rafael Suslow.

Marthashofen habe ein schönes Gelände, um spazieren zu gehen. „Aber es ist wie bei einer Radtour: Irgendwann will man sich auch einmal hinsetzen.“ Diese neue Möglichkeit soll das neue Café mit Blick ins Grüne bieten. Gleichzeitig soll das Bella Martha aber auch ein Forum für Kunstschaffende und eine Galerie für Kunstfreunde sein. Drei Mietateliers und ein freies Atelier für Ausstellungen sind dort untergebracht. „Nur eines ist noch frei“, sagt Suslow.

Zum Interieur haben übrigens viele Grafrather beigetragen. Alte Stühle aus verschiedenen Kellern und Dachböden zieren das Bella Martha. Das Altenwerk hatte die Bürger dazu aufgerufen, diese abzugeben. Gekommen sind viele teils bunte und bemalte Sitzmöglichkeiten. „So können die Leute gleich auf einem Stück Kunst sitzen“, sagt Suslow.

Auch Theke und Tische haben eine eigene Geschichte: Sie wurden aus dem Holz einer alten Marthashofener Ulme gebaut, die schon vor einiger Zeit gefällt werden musste. Das Holz lagert laut Suslow lange ungenutzt im  Altenwerk. „Aber jetzt haben wir endlich einen Zweck dafür gefunden.“

Neben Kunstfreunden profitieren die Bewohner des Altenheims. „Auch Kunsttherapeuten könne hier mit alten Leuten arbeiten“, sagt Suslow. Das Bella Martha soll dazu beitragen, buchstäblich auch neue Räume in der Gemeinde zu öffnen. „Wir haben festgestellt, dass es in Grafrath tatsächlich Menschen gibt, die Marthashofen noch nicht kennen“, sagt Suslow. Das Kunsthaus-Café soll diese anlocken. Wir wollen kein zweites ‚Haus 10‘ werden“, meint der Geschäftsführer mit Blick auf das Kunsthaus in Fürstenfeld.